Behandlungsspektrum

Wir unterstützen unsere Patientinnen und Patienten dann, wenn ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn Alkohol, Drogen, Medikamente, das Glücksspiel oder der exzessive Konsum digitaler Medien wie ein Ausweg erscheinen,  aber deutlich wird, dass diese Verhaltensweisen keinen Weg frei machen, sondern ins Abseits führen, sorgt unser Therapieangebot für Klarheit und Verlässlichkeit.

Unser Anspruch ist es, suchtkranke Menschen seelisch und körperlich zu stabilisieren. Dabei haben wir besonders viel Erfahrung und spezialisierte therapeutische Angebote bei folgenden Problemlagen:

Abhängigkeitserkrankungen

Noch immer ist die Alkoholabhängigkeit die am weitesten verbreitete Form der Sucht in Deutschland. Nach aktuellen Erhebungen sind 1,7 Millionen Deutsche abhängig von diesem Stoff, der physiologisch betrachtet ein Zellgift ist und dessen regelmäßiger Konsum erhebliche körperliche und seelische Folgeschäden anrichtet.

Rund jeder Vierte ist selbst direkt ( oder im engen Familienkreis) betroffen. Dabei spielen genetische Einflüsse ebenso eine Rolle wie das soziale Umfeld, Stressfaktoren und seelische Eigenheiten. In der Behandlung legen wir einen Schwerpunkt auf die veränderbaren Anteile dieser Bedingungen.

Um nicht erneut zur Flasche zu greifen, wenn ich abschalten möchte oder von Konflikten, Überforderung oder Trauer herausgefordert bin, ist die Stärkung von Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung Voraussetzung.

Nach der erfolgten akuten Entgiftung bieten wir Betroffenen eine Entwöhnungsbehandlung an, die dazu dient, Hintergründe des Suchtverhaltens zu verstehen, Abstinenz zu trainieren und erneuten süchtigen Konsum zu verhindern. Dabei gilt es, die körperliche Gesundheit zu kräftigen durch Sport, regelmäßige gesunde Ernährung und ausreichenden Schlaf sowie ggf. Folgeschäden zu diagnostizieren und medizinisch zu behandeln.

Parallel werden in Einzel- und Gruppentherapien die Hintergründe der Suchtentwicklung und -aufrechterhaltung beleuchtet und alternative Einstellungen und Verhaltensweisen aufgezeigt. Wir ermutigen unsere Patientinnen und Patienten dazu, sich mitzuteilen und gerade in schwierigen Situationen die Auseinandersetzung nicht zu scheuen.

Angehörige von Alkoholkranken fühlen sich angesichts der Übermacht des Alkohols und vielfach gebrochenen Versprechungen oftmals selbst hilflos. Wir laden sie zu einem Angehörigen-Seminar ein, um gemeinsam mit anderen Bezugspersonen darüber zu sprechen, wie dies ist und welche Wege aus der Krise gangbar erscheinen. Der Austausch unter den Mitpatienten verdeutlicht, dass sich niemand mit seinen Problemen allein fühlen muss und ist ein wichtiger Wirkfaktor stationärer Therapie.

Drogenabhängigkeit hat vielfältige Ursachen. Meist steht  am Anfang der gemeinsame Konsum von scheinbar harmlosen Cannabisprodukten in der Clique.  Über Cannabis  erfolgt dann oft der Umstieg auf antriebssteigernde Drogen wie  MDMA, Amphetamine oder Halluzinogene wie LSD oder Psylocibin. 

Der Umstieg auf Drogen mit dem höchsten Suchtpotential wie Heroin, Kokain und Metamphetamine (Crystal Meth) stellt dann den Beginn der körperlichen Abhängigkeit und damit den Eintritt in den Teufelskreis der Sucht dar. Da der Handel von Drogen illegal und deshalb auf einem nicht kontrollierten Markt erfolgt, ergeben sich für die Konsumenten erhebliche zusätzliche Gesundheitsrisiken. Die Produkte werden von Dealern häufig mit hochgiftigen Beimengungen gestreckt und von den Betroffenen unter hygienisch bedenklichen Umständen konsumiert.

Wir bieten drogenabhängigen Patientinnen und Patienten nach abgeschlossener stationärer Entgiftung (Drogenentzug) eine Entwöhnungsbehandlung an, die dazu dient, Hintergründe des Suchtverhaltens zu verstehen, Abstinenz zu trainieren und erneuten süchtigen Konsum zu verhindern. Dabei gilt es, die körperliche Gesundheit durch Sport, regelmäßige gesunde Ernährung und ausreichenden Schlaf  zu kräftigen sowie ggf. Folgeschäden zu diagnostizieren und medizinisch zu behandeln.

Parallel werden in Einzel- und Gruppentherapien die Hintergründe der Suchtentwicklung und -aufrechterhaltung beleuchtet und alternative Einstellungen und Verhaltensweisen aufgezeigt. Wir ermutigen unsere Patientinnen und Patienten dazu, sich mitzuteilen und gerade in schwierigen Situationen die Auseinandersetzung nicht zu scheuen.

Stützende Angehörige beziehen wir wann immer möglich in die Behandlung mit ein. Oftmals ist auch ein Wechsel aus dem drogenassoziierten Umfeld nötig.

Die Abhängigkeit von Medikamenten, meist Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmitteln, entwickelt sich oft schleichend und betrifft überwiegend Ältere, speziell ältere Frauen. Bei Verzicht auf derartige Medikamente stellen sich Entzugssymptome wie Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Zittern ein, die nahelegen, diese mit weiterer Pharmazie zu behandeln – ein Teufelskreis, von dem geschätzt 1,2 – 1,5 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Nicht selten tritt ein schädlicher Arzneimittelgebrauch  parallel zu seelischen Beschwerden wie Angst, Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen auf. Gerade deshalb ist eine ganzheitliche Betrachtung der Lebenssituation Betroffener zwingend.

Wir erarbeiten mit ihnen ein festes Abdosierungsschema und lindern Entzugssymptome durch Entspannungsübungen, alternative Beschäftigungen oder auch andere Medikamente, die nicht abhängig machen. Wir überwachen Sie medizinisch und klären Sie umfassend auf. Maßnahmen der Schlafhygiene, einen geregelten Tagesablauf, regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung sowie ggf. Krankengymnastik und physikalische Therapie lassen im Verlauf viele Arzneimittel überflüssig werden.

Etwa 180.000 Deutsche sind als pathologische Glücksspieler/ Glücksspielerinnen einzuordnen, ca. 326.000 zeigen ein problematisches Glücksspielverhalten. Für diese Menschen ist das „Spiel“ um Geld längst kein harmloser Zeitvertreib mehr, sondern eine Sucht, deren Preis nicht nur den finanziellen Ruin, sondern oft genug auch Auslöser für weitere Verluste darstellt. Partnerschaften und Familien zerbrechen, der Arbeitsplatz ist gefährdet oder dient einzig dazu, das „System am Laufen“ zu halten. Die Verfügbarkeit von Geldmitteln und deren Beschaffung werden zum zentralen Bestandteil des Alltags, der die Gedanken beherrscht.

Die Kraichtal-Kliniken haben mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Behandlung pathologischer Glücksspieler und gehören in Deutschland zu den führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet. Wir unterstützen Sie bei der Entscheidung zu dauerhafter Abstinenz , erarbeiten Strategien der Rückfallprophylaxe und etablieren mit Ihnen ein transparentes Geldmanagement. Weitere wichtige Therapieziele bestehen darin, ihre Konfliktfähigkeit zu verbessern, alternative Formen der Freizeitgestaltung kennen zu lernen und umzusetzen (z.B. Sport, kreative Beschäftigung), die Eigenwahrnehmung zu schulen und soziale Kompetenzen zu trainieren.

Digitale Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks begleiten uns auf Schritt und Tritt. Surfen, Gamen und Chatten, Onlinekäufe oder Online-Sex können uns jedoch der realen Welt entfremden und zum eigenen Problem werden. Onlinespiele verführen mitunter so sehr, dass das Spielen zum Tages (und Nacht-) geschäft wird, alles andere zur Nebensache.

Wenn Beruf oder Ausbildung darunter leiden und virtuelle Kontakte echte Freundschaften ersetzen, tut Hilfe not. Nicht selten sind jedoch Angehörige früher und stärker beunruhigt als Betroffene selbst. Wir klären, wie viel im individuellen Fall zu viel ist.

Übermäßigem Medienkonsum liegen oft allzu menschliche Bedürfnisse zugrunde. Es gilt, diese zu erkennen und auf selbstfürsorgliche Art zu befriedigen. Voraussetzung für die Behandlung ist die Bereitschaft, den Zugang zu PC und Internet einzuschränken und anders als bisher zu gestalten.

Psychische Störungen

Wenn das Ausmaß körperlicher Beschwerden nicht durch Organkrankheiten erklärbar ist, spricht man von somatoformen Beschwerden. Diese können als Schmerzen, Reizdarmsyndrom, Herzbeschwerden u.v.m. den Alltag stark beeinträchtigen.

Wir klären, was der Hintergrund der Beschwerden sein kann und üben, besser mit ihnen umzugehen. Gute Aufklärung ist wichtig, damit Sie selbst zum Experten für ihre Gesundheit werden und Herr bzw. Frau im eigenen Haus bleiben.

Viele Menschen greifen zu Medikamenten oder Alkohol, um mit Stimmungstiefs zurechtzukommen – ein Teufelskreis, da Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch depressive Symptome verstärkt.

Wenn Abstinenz erreicht ist, behandeln wir Antriebsmangel, Selbstzweifel und Stimmungstief leitliniengerecht durch psychotherapeutische Gespräche, Sport, ggf. auch medikamentös. Sie erlernen einen achtsamen Umgang mit sich und anderen und entwickeln wieder eine Perspektive – persönlich und beruflich.

Angst kann lebensrettend sein, aber auch selbst zum Problem werden. Angsterkrankungen sind die häufigsten psychischen Beschwerden. Nicht selten wird Alkohol oder werden Drogen im Sinne einer Selbstmedikation konsumiert, um Angst zu unterdrücken. Auch permanente Ablenkung durch fortgesetztes Spielen oder Internetaktivitäten können diese Funktion haben.

Wir gehen Ihren Ängsten gemeinsam auf den Grund und stärken Sie, damit Sie keine Angst vor der Angst entwickeln müssen. Die familiäre Umgebung in einer überschaubaren Patientengruppe vermittelt Sicherheit und erleichtert selbständige Schritte.

Magersucht, Bulimie und unkontrolliertes Essen (Binge-Eating) sind Ausdruck eines fehlenden seelischen Gleichgewichts und mit hohem Leidensdruck für Betroffene verbunden. Tagesstrukturierung, klare Vereinbarungen („Gewichtsvertrag“) und das gemeinsame Zubereiten und Verspeisen von Mahlzeiten gehören zum Therapieprogramm. Das ärztliche Team verfügt über jahrelange Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Essstörungen.

In Folge traumatischer Lebensereignisse wie z.B. dem Erleben schwerwiegender Unfälle, körperlicher Gewalt, sexueller Übergriffe u.a., können sich Belastungssymptome entwickeln, die sich in Form des Wiedererlebens sich aufdrängender Bilder und Erinnerungen, Alpträumen, starker Schreckhaftigkeit und hohem Stresspegel (immer auf der Hut sein müssen) äußern. Ebenso häufig sind ungünstige negative Bewertungen (z.B. „ich bin schuld“, „ich hätte irgendwas tun müssen“, „ich kann mich nicht mehr sicher fühlen“) und Gefühle (Angst, Ekel, Schuld, Scham, Wut) in Folge eines Traumas.

Eine häufige und nachvollziehbare Strategie hiermit umzugehen, ist der Versuch, belastende Erinnerungen zu verdrängen. Das Vermeiden belastender Gedanken und Gefühle ist kurzfristig hilfreich, führt jedoch dazu, dass das Erlebte nicht gut verarbeitet und im Gedächtnis abgelegt werden kann. Stattdessen taucht es in Form der geschilderten Belastungssymptome immer wieder auf.

Auch der Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten oder der exzessive Konsum digitaler Medien stellt eine dieser kurzfristig lindernden Vermeidungsstrategien dar, die jedoch oft mit einer Missbrauchs- und Abhängigkeitsentwicklung und weiteren Folgeproblemen einhergehen.

Um eine Traumafolgestörung behandeln zu können ist es deshalb notwendig, eine vollständige Abstinenz von Suchtmitteln bzw. süchtigen Verhaltensmustern zu erreichen, um mit Hilfe der Therapie die traumatischen Erlebnisse besser und nachhaltiger verarbeiten zu können. Hierzu stehen erprobte und sehr erfolgreiche Behandlungsansätze zur Verfügung. Gleichzeitig wird durch eine Besserung der posttraumatischen Symptomatik auch die Beibehaltung der erzielten Abstinenz erleichtert.

Unter Persönlichkeitsakzentuierungen oder -störungen werden überdauernde Probleme im Erleben (Denken und Fühlen) und Verhalten verstanden. Starke Selbstunsicherheit, emotionale Instabilität, überzogene Ansprüche an sich und die Umwelt führen bei Betroffenen in der Regel zu Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit sowie zu gehäuften Konflikten z.B. im Kontakt mit anderen. Häufig versuchen Betroffene diese Belastungen durch den Konsum von Suchtmitteln, exzessives Glücksspielen oder den exzessiven Konsum digitaler Medien kurzfristig zu vermeiden, was die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung begünstigt. Eine therapeutische Arbeit an diesen Persönlichkeitsmustern ist sehr gut möglich und sinnvoll, um sich selber besser verstehen zu lernen und durch den Aufbau flexiblerer Erlebens- und Handlungsmuster weiterem Substanzkonsum vorzubeugen.