Internet-Abhängigkeit

Internet-Abhängigkeit ist eine relativ neue Erscheinung. Die individuelle Ausprägung wandelt sich rasch – so, wie sich das Internet selbst ständig ändert. Die Häufigkeit von Internet-Abhängigkeit wird – je nach untersuchter Stichprobe – auf etwa 5% der Internet-Nutzer geschätzt.

 

Über den „natürlichen“ Krankheitsverlauf ist noch wenig bekannt, dafür ist das Phänomen einfach zu neu. In Vielem ähnelt die Internet-Abhängigkeit der Spielsucht: Es handelt sich um eine Verhaltensabhängigkeit ohne stoffliches Substrat. Eine Abstinenz durch „weglassen“ ist nicht möglich – die meisten Berufe kommen heutzutage nicht ohne Internet-Nutzung aus. Da geht des dem Internet-Abhängigen wie dem Spieler, der mit Geld umgehen muss.

 

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen mit Spielsucht kommen zunehmend auch Patienten mit Internet-Abhängigkeit zu uns. Sie benötigen eine besondere Zuwendung. Die Behandlungsergebnisse sind – sofern man das bei der geringen Fallzahl sagen kann – bisher in der gleichen Größenordnung wie die Ergebnisse bei Spielsucht.

 

Internet-Abhängigkeit wird in Deutschland of auch als pathologischer Mediangebrauch bezeichnet. Wir bevorzugen den Begriff Internet-Abhängigkeit, der sich in der internationalen Literatur durchgesetzt hat (Internet Addiction Disorder). In jedem Fall geht es um einen Internet-Gebrauch, der dem Betroffenen schadet.

 

 

Formen der Internet-Abhängigkeit:

 

  • Online-Rollenspiele (z.B. World of Warcraft)
  • Online-Communities, Chatten
  • Cybersex

 

Die meisten Patienten, die in eine stationäre Behandlung kommen, leiden unter der Abhängigkeit von Online-Rollenspielen.

 

Bin ich abhängig?

 

Kriterien für eine Suchtentwicklung sind:

  • Craving – ein starkes, oft unkontrollierbares Verlangen
  • Toleranzentwickung – man verbringt noch mehr Zeit am Computer
  • Entzug – man fühlt sich schlecht, wenn man nicht am Computer sein kann
  • Fortgeführter Konsum – Trotz deutlicher negativer Folgen surft oder spielt man weiter
  • Kontrollverlust – geringe oder fehlende Fähigkeit, Zeit und Menge zu steuern
  • Emotionsregulation – man spielt oder surft, um negative Gefühle los zu werden
  • Interessnsverlust –  andere Interessen außer dem Internet gehen verloren

 

Nicht jeder 16jährige, der eine Zeit lang intensiv am Computer spielt, ist krank. Nur wenn mehrere Kriterien über einen längeren Zeitraum (mindestens 6 Monate) vorliegen, spricht man von einer Internet-Abhängigkeit.

 

Meist sind junge Leute betroffen. Wichtige Symptome, die zu einer stationären Therapie Anlass geben sollten, sind der Verlust oder der Abbruch der Ausbildung oder der Arbeit aufgrund des Online-Konsums.